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Anzeige wegen – ja, was denn eigentlich?

Ein Mann stand vor der Ladentür und verlangte, mich zu sprechen. Ich ging mit gemischten Gefühlen nach vorne, denn solche Anfragen enden niemals damit, dass mir jemand ein Präsent mit netten Worten überreichen möchte.

Ich stellte mich vor ihn und er ratterte sofort einen Monolog herunter: Er hat hier Hausverbot, aber das wäre illegal, denn das Verfahren wurde offiziell nach Paragraph xyz des Strafgesetzbuchs eingestellt worden. Deshalb wird er jetzt den EDEKA-Markt, genauer gesagt den Inhaber des EDEKA-Marktes anzeigen und verklagen, das hat ihm auch sein Anwalt geraten. Und überhaupt wüsste er auch gar nicht, was man ihm vorwerfen würde und wenn es eine Videoaufzeichnung gäbe, hätte er ein Recht darauf diese zu sehen und ansonsten könnte man ihm überhaupt nichts …

Mit einem nahtlos angehängten "Auf Wiedersehen" drehte er sich um und ging. Über meinem Kopf ploppte ein Fragezeichen auf, dass von Sekunde zu Sekunde größer wurde.

Etwas später beruhigte mich eine Kollegin: "Ach, der ist sowieso komisch. Das hat der schon so oft erzählt. Immer wenn der auf Drogen ist, kommt der her und erzählt irgendjemandem diese Geschichte."

Ich konnte mich an den Typen zwar überhaupt nicht erinnern (ich und Gesichter …), aber wenn der hier Hausverbot hat, ist das auch begründet. Und nur, dass ein Strafverfahren eingestellt wurde, heißt ja nicht, dass die Vertrauensbasis für weitere Besuche hier im Geschäft ebenfalls weiterhin gegeben ist.

Da ist man mal nicht da …

Da ist man mal nicht in der Firma und dann bekommt man so eine Meldung per WhatsApp von den Kollegen vor Ort:

Arschloch sucht und findet sein Lieblingscola nicht, fragt nach, kriegt Antworten. Arschloch wartet, dass ich woanders hinschaue und pfeffert eine Packung Sojasahne so heftig durch die Gegend, dass zwei Leute eine Stunde putzen müssen.
Ich werde mir morgen mal die Videoaufzeichnung aus dem entsprechenden Gang ansehen. Der Mann soll bei uns als Kunde bekannt sein.

Ex-Kunde, falls ich ihn persönlich erwische.

Schriftliches Hausverbot

Ein Mann, der bei uns vor einer Weile mal geklaut und sich dadurch ein Hausverbot eingefangen hat, stand an der Tür und hatte einen meiner Mitarbeiter zu fassen bekommen. Er wollte, angeblich hat seine Drogenberatungsstelle das verlangt, eine schriftliche Bestätigung für das Hausverbot bei uns bekommen. Darauf hatte mein Kollege aber keine Lust und so kürzte er die Sache etwas ab: "Ich habe Ihnen das nun mündlich erteilt, das wird wohl reichen!"

Voröffnungszeitlicher Ladendieb

Es war 5:50 am Morgen. Offiziell hatten wir noch nicht geöffnet, der Laden war noch dunkel. Nur die Eingangstür stand offen, da bereits ein Lieferant auf der Gastfeldstraße stand und abladen wollte. Meistens klappt das auch ganz gut, denn weil es drinnen dunkel ist, verirren sich normalerweise noch keine Kunden in den Laden.

Dann kam dieser eine Typ rein, der ein paar Tüten Leergut in den Händen hielt. Nach ein paar Metern stand er vor dem Holzregal mit den spanischen Produkten. Ob er die Entscheidung ganz schnell und wortwörtlich im Vorbeigehen getroffen hat oder ob er von vornherein vor hatte, etwas zu stehlen, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall griff er sich eine Flasche, hielt sie vor den Bauch und ging direkt wieder raus.

Einem Kollegen war dennoch aufgefallen, aber als dieser nach draußen kam, hatte der Dieb die Weinflasche bereits geöffnet und war dabei, den Inhalt direkt aus der Flasche zu trinken. Wie der in so kurzer Zeit die Flasche geöffnet haben könnte, ist mir immer noch ein Rätsel.

Aber wenigstens war die Sachlage klar und da der Typ bei uns aufgrund eines früheren Diebstahls bereits bekannt war, brauchten wir uns nicht einmal zu bemühen, seine Daten von ihm zu bekommen. Auffrischung des Hausverbots in seine Richtung und eine Anzeige in die der zuständigen Polizeiwache. Erledigt.

Der Wiederholungsfall

Die Anzeige zu diesem Fall habe ich inzwischen geschrieben und zur Polizei geschickt. Eine Kopie des Schreibens der Staatsanwaltschaft habe ich einmal mal dazu gelegt – inklusive einer kleinen persönlichen Anmerkung. Konnte ich mir einfach nicht verkneifen … :-P


Mühsame Videoaufbereitung

Wenn die Polizei die Videoaufzeichnung von einem Ladendieb haben möchte, bereite ich die Daten normalerweise so vor, dass man den Weg durch den Laden verfolgen kann. Das geht immer relativ schnell, ich brauche ja nur die Videodateien der einzelnen Kameras in der richtigen Reihenfolge im Schnittprogramm einzufügen und dann die Spuren entsprechend zu kürzen, wenn der Täter den Sichtbereich verlässt.

Nun hatten wir einen Ladendieb, der sich eine dreiviertel Stunde hier im Markt aufgehalten hat. Eine dreiviertel Stunde, in der er ständig in Bewegung war und hier von Gang zu Gang hin und her ging. Wenn ich das so aufbereiten möchte, dass man den Weg vollständig verfolgen kann, verbringe ich mehrere Stunden damit.

Da bekommt die Polizei von mir also mal nicht eine besonders ausführliche, sondern eine sehr abgespeckte Version aus der Videoaufzeichnung. Die beiden Stellen, an denen sich der Täter die Ware in die Jacke, bzw. Hose stopft, und wie er am Schluss die Kasse passiert, ohne die Sachen zu bezahlen und dann von uns gestellt wird.

Muss mal reichen …

Für Wiederholungsfälle vermerkt!

Ein Mann hatte hier Ende April einen kleineren Ladendiebstahl begangen. Es folgte die übliche Anzeige bei der Polizei, auf die nun auch die Antwort der Staatsanwaltschaft folgte. Die Textbausteine sind noch exakt die selben wie in diesem Schreiben aus dem Jahre 2011: "[…] Schuld als gering anzusehen […] Schaden verhältnismäßig gering […] von der weiteren Verfolgung der Straftat abgesehen […]". Und auch der letzte Satz stand wieder dort: "Das Verfahren bleibt hier jedoch für Wiederholungsfälle vermerkt."

Nun: In der letzten Woche hatte der Herr sich hier ebenfalls wieder bedient. Kam rein, schnappte sich eine Flasche Wein und ging wieder raus. Also ohne zu bezahlen, meine ich natürlich. Bislang habe ich die Anzeige noch nicht geschrieben, aber das dürfte dann wohl der im Schreiben der Staatsanwaltschaft erwähnte Wiederholungsfall sein…

Corned Beef ohne Etiketten

Ein Mann wollte zwei Dosen Corned Beef, das gute Markenprodukt für 5 € pro Stück, hier bei uns aus dem Laden klauen. Da er nicht ganz unauffällig dabei vorgegangen war, erwischten wir ihn und es folgte das bekannte AHA-Prozedere (Auspacken, Hausverbot, Anzeige).

Allerdings hatte der Typ von den Dosen die Papierbanderolen abgerissen. Damit wollte er vermutlich seiner versuchten Argumentation, dass die gar nicht von uns waren und er sie mitgebracht hatte, Nachdruck verleihen.

Das war letztendlich noch ärgerlicher als der versuchte Diebstahl. Die Etiketten hatte er zusammengeknüllt irgendwo im Laden verschwinden lassen, jedoch waren weder der Videoaufzeichnung noch seiner Erinnerung irgendwelche Details dazu zu entlocken. :-(

Schokopudding und passierte Tomaten

Ein Ladendieb hatte sich ein paar Sachen in die Taschen gesteckt und schließlich an der Kasse einen kleinen Alibi-Einkauf getätigt: Zwei Becher Schokopudding mit Sahne unserer Eigenmarke aus dem Kühlregal und ein Tetrapak mit passierten Tomaten.

Während wir im Lager standen und mangels mitgeführter Ausweisdokumente auf die Polizei warteten, überkam den Dieb wohl der Hunger. Er nahm nacheinander beide Pudding-Becher, zog die Deckel ab und schlürfte den Inhalt direkt aus den Bechern und drückte diese hinterher sogar noch wie eine Zahnpastatube zusammen, um auch die Reste von ganz unten herauszubekommen. Das sah zwar nicht besonders appetitlich aus, aber die beiden Kollegen, die mit mir aufpassten, und ich nahmen es nur schulterzuckend zur Kenntnis.

Zum Nachtisch nahm der Typ dann noch die Kartonverpackung, riss mit den Zähnen eine Ecke ab und drückte sich einen halben Liter passierte Tomaten in den Hals.

Das ist ja nun sicherlich nicht ungesund und geht vermutlich wie Tomatensaft mit extra Fruchtfleisch runter, aber irgendwie hat es mich dabei schon geschüttelt. :-)

Ungewöhnlich zerstörte Flaschensicherung

Ein Kollege hatte im Laden ein offenbar von einer Flasche entferntes Sicherungsetikett entdeckt. Es lag netterweise so, dass man die Fundstelle gut auf der Videoaufzeichnung sehen konnte und so haben wir nun ganz hervorragende Bilder eines Mannes, der sich am Abend eine Flasche unseres Eigenmarken-Champagners in die Hose gesteckt hatte.

Vorher riss er mit bloßen Händen diese Flaschensicherung vom Schampus ab. Nicht mit einer Zange oder irgendeinem anderen Hilfsmittel, sondern mit bloßer Muskelkraft. Entweder hätte er die Kartoffel-Szene von Raimund Harmstorf mit einer echten rohen Kartoffel nachspielen können oder er hatte etwas Glück und das Etikett hatte eine Macke. Auf jeden Fall schaffte er es, die Lasche aus ihrer Befestigung herauszureißen. Ich habe erfolglos probiert, dieses nachzumachen. Ich hatte eher Angst, dass mir die Flasche zerbricht und ich mir an den Scherben die Hand aufschlitze.

Mal gucken, ob das eine einmalige Aktion bleibt …


Lieber mit Polizei

Ein Ladendieb hat sich hier von den Kollegen erwischen lassen und sah den üblichen Konsequenzen in Form einer Anzeige und des Hausverbots entgegen. Seinen Ausweis hatte er dabei.

Allerdings hatte er sich konsequent geweigert, diesen vorzuzeigen. "Das würde aber die Sache vereinfachen", erklärte mein Mitarbeiter ihm, "denn dann bräuchte die Polizei nicht extra herzukommen."

War dem Mann egal und so wartete man gemeinsam auf die Polizei.

Was das sollte? Keine Ahnung. Vielleicht hatte er gepokert und gehofft, dass wir bei "so einer Mühe" von einer Anzeige absehen würden.

LD-Serie seit Freitag

Drei erwischte Ladendiebe in drei Tagen. Die Mini-Serie startete am Freitag mit der türkischstämmigen Frau und setzte sich am Samstag kurz vor Feierabend mit einem etwas sonderbaren Kerlchen fort. Der Typ war irgendwie berauscht, mit welchen Mittelchen auch immer, und hatte sich eine Tüte mit mehreren Artikeln aus unserer Aufbackstation in die Hose gestopft. Da er sich dabei wahrscheinlich unfreiwillig ziemlich auffällig benahm, war die Reise für ihn an der Kasse zunächst beendet. Als ihm dann noch klar wurde, dass in Ermangelung eines brauchbaren Ausweisdokuments die Polizei anrücken würde, wurde er noch ziemlich aggressiv, kam jedoch letztendlich in seinem Zustand nicht gegen meine drei Mitarbeiter an. Was er nun genau auf dem Kerbholz hatte, haben wir nicht erfahren, aber die Polizei war wohl nicht unglücklich darüber, dass sich das Kerlchen bei uns hat erwischen lassen. Die Kollegen munkelten etwas von "Haftbefehl", aber das ist ja nicht unser Problem.

Montag Abend rief mich ein Kollege an und berichtete, dass ein Stammkunde sich eine vegane Wurst am Stück, die ihr euch wie eine kleine Salami vorstellen könnt, eingesteckt hatte. Die Wurst war gesichert und löste den Alarm an der Kasse aus und der Mann erzählte dann, dass er sie "versehentlich" eingesteckt hatte. Die Daten vom Ausweis / Aufenthaltstitel hätten sie aufgeschrieben und der Kunde wollte gestern Mittag wiederkommen und mit mir reden.

Unsere erste Amtshandlung am Morgen bestand darin, uns die Videoaufzeichnung von seinem Besuch hier im Markt anzusehen. Außer besagter Wurst am Stück hatte er auch noch zwei Packungen Aufschnitt in Scheiben in die Tasche gesteckt und nachdem Ines und ich uns zusammen mit einer weiteren Kollegin die Aufzeichnung sogar dreimal angesehen hatten, waren wir ziemlich sicher, dass das absolut kein Versehen war von dem Mann war. "Ich schreib da später die Anzeige, eilt ja nicht. Und außerdem kommt der ganz bestimmt nicht wieder."

Doch er kam wieder. Ines und ich redeten mit ihm, resp. ließen ihn zuerst reden. Wir waren schon etwas enttäuscht, denn wir kennen diesen langjährigen Kunden als netten und unserer Meinung nach auch nicht "assigen" Menschen, der oft mit seiner Tochter bei uns im Laden ist.
Er erzählte uns, dass er seine Handschuhe und seinen Schal auf der Suche nach Geld aus den Taschen gepackt hatte und beim Einpacken wohl die Wurst versehentlich mit gegriffen und in seine Jackentasche gesteckt hat. Das klang alles anderes als glaubwürdig, aber mit 27 zugedrückten Hühneraugen hätte man das durchaus noch als "im Zweifel für den Angeklagten" durchgehen lassen können. Dass er die beiden unhandlichen Packungen Aufschnitt aber ganz sicher nicht "versehentlich" eingesteckt hat, musste er dann auch zugeben und dann gestand er alles.

Das tat er jedoch auf eine für unser Empfinden glaubwürdige Art. Ich kann es nicht näher beschreiben, es ist nur ein Gefühl. Er hatte kein Geld mehr und wollte doch für seine Tochter etwas zu Essen haben. Ich kenne seine Situation nicht, aber möglicherweise ist es für ihn ohne die deutsche Staatsbürgerschaft etwas mühsamer, an Geld zu kommen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er uns irgendeine wirre Ausrede erzählt. Das, was er uns schilderte und wie es rüberkam, wirkte auf uns sehr glaubwürdig. Nicht die oscarreife Tränendrüsennummer, wie es die Frau am Freitag versucht hat, sondern irgendwie echt. Wir kamen überein, dass es eine wirklich blöde Idee war, ausgerechnet in seinem Stammladen sowas zu machen, auch wenn ihn augenscheinlich die Not dazu getrieben hat. Ich selber würde auch alles für meine Tochter tun, ist doch klar. Wenn es noch einmal eng wird, soll er doch einfach mit uns reden, auch wenn es unangenehm ist. Vielleicht aber doch weniger peinlich, als eine Anzeige bei der Polizei zu haben. Die habe ich ihm nämlich für den Widerholungsfall angedroht.

Mit Handschlag vereinbarten wir abschließend, dass er den entstandenen Schaden Anfang April bezahlt und dass wir nicht mehr darüber reden werden.

Das Diskussion-Ende-Argument

Vorgestern Nachmittag hörte ich plötzlich hektisches Stimmengewirr aus dem Lager zu mir ins Büro dringen. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch gar nicht mitbekommen, was passiert war. Eine Frau in den Dreißigern hatte zwei Dosen Thunfisch in ihre Tasche gesteckt, diese an der Kasse nicht ausgepackt und in der Folge dann mit den (aus Gründen, wie man sieht …) gesicherten Dosen den Alarm der Warensicherungsanlage ausgelöst.

Nun stand sie greinend und flehend mitsamt zwei meiner Mitarbeiter im Lager. Als ich hinzukam, fragte ich natürlich zuerst, was passiert war. Die Frau erklärte mir auch noch einmal, dass sie doch nur bei uns einkaufen wollte und versehentlich die beiden Dosen an der Kasse zwischen den anderen Sachen, die sie vorher schon bei Lidl gekauft hatte, übersehen hätte. Die anderen Sachen von uns hätte sie ja schließlich auch bezahlt und am Geld würde es sicherlich nicht liegen. Mit diesen Worten zeigte sie ihr geöffnetes Portemonnaie vor und zog einen der darin enthaltenen Fünfziger raus und wedelte damit vor unseren Nasen herum.

Das hätte alles plausibel klingen können, tat es aber nicht. Vor allem störte mich, dass sie ihren kleinen Einkauf komplett in der Hand hielt, die beiden Thunfisch-Dosen, die den Wert der anderen Dinge noch deutlich überschritten, jedoch in der Einkaufstasche verschwinden ließ, in der sich bereits Artikel aus einem anderen Laden befanden. Nein, das war kein Versehen, das war knallharter Diebstahl. Und es bestätigte uns mal wieder darin, dass es richtig ist, die Thunfisch-Dosen von Saupiquet mit Sicherungsetiketten bekleben zu lassen. Das Zeug ist nämlich bei Dieben beliebt.

Während der gesamten folgenden Minuten flehte und bettelte sie immer wieder, dass wir nicht die Polizei einschalten sollen. Wenn ihr Mann erfahren würde, dass sie geklaut hätte, dann würde er sie umbringen, sie totschlagen. Keine Post nach Hause, keine Polizei, bitte, bitte.

Ich ließ mich von den Krokodilstränen nicht beeindrucken, ignorierte das Herumgegreine und fragte die Frau, ob sie einen Ausweis dabei hätte. Sie hielt mir einen türkischen Führerschein (die Plastikkarte mit dem blauen Streifen, in dem "SÜRÜCÜ BELGESI" steht) vor die Nase, allerdings stand dort keine Adresse drauf und war für eine Anzeige wegen Ladendiebstahls nicht brauchbar. Das ist alles, was sie hätte, versicherte sie. Bis dahin wäre es noch ohne Polizei gegangen, aber in dem Fall brauchten wir Hilfe und so nahm ich das Telefon zur Hand. In dem Moment fiel ihr ein, doch einen deutschen Ausweis dabei zu haben. Was für eine Überraschung.

Ich zog mein gesamtes Programm in aller Routine durch. Da sie sich ausweisen konnte und die Ware bei uns blieb, konnten wir die Sache ohne Polizei erledigen. Nachdem ich alle notwendigen Angaben notiert hatte, sprachen die Kollegen noch das übliche Hausverbot auf Lebenszeit aus und geleiteten die Frau zum Ausgang. Thema erledigt.


Fünf Minuten später kam einer der Kollegen zu mir ins Büro. "Die Frau von eben ist wieder da, mit zwei Männern." Ihr Mann hatte sie also offenbar nicht totgeschlagen. Stattdessen hatte sie ihm direkt berichtet, was vorgefallen war und ist zusammen mit ihm und einem Freund oder Verwandten wieder zu uns in den Laden gekommen.

Da sprach nur noch ihr Mann mit mir. Dass sowas doch passieren könne und ob mir denn noch nie ein Versehen passiert ist. Doch, sagte ich. Und dachte mir spontan ein Beispiel aus: "Wenn ich versehentlich mit 80 durch die Stadt fahre und geblitzt werde, muss ich auch mit dem Bußgeld lebe."

"Man fährt nicht aus Versehen mit 80 in der Stadt."

"Und man steckt sich nicht aus Versehen zwei Dosen Thunfisch in die Tasche."

Es ging noch ein paar Sätze lang hin und her und die Stimmung wurde immer angespannter und dann brachte der Ehemann schließlich das Argument der Argumente: "Sie machen das doch nur, weil meine Frau Ausländer ist!"

Uff!

In dem Moment war für mich jede weitere Diskussion mit diesen Personen beendet und das sagte ich ihm auch ziemlich deutlich.

Mit wüsten Beschimpfungen, die von "Sie sind ein sehr schlechter Mensch" bis hin zu unappetitlichen Fäkalausdrücken reichten, zog das Trio schließlich ab. An der Kasse beschimpften und bedrohten sie noch einen der beiden Kollegen, die während der Aufnahme des Diebstahls mit mir im Lager standen.

Was für sympathische Mitbürger.

Post von einem bereuenden Ladendieb

Im Februar hatte ein Mann einen kleineren Einkauf (~10 Euro) getätigt und diesen mit ec-Karte bezahlt. Das machte ihn zum Kunden. Dass er dabei ein fast genauso teures Stück Bio-Parmesan in der Jacke stecken hatte, machte ihn zum Ladendieb. Und das an dem Parmesan angebrachte Sicherungsetikett machte ihn zum erfolglosen Ladendieb. Der Käse löste nämlich den Alarm aus und sorgte so für allerhand Aufregung am fraglichen Abend. Nachdem der Mann alles ausgepackt hatte, flüchtete er schnell, ohne dass meine Mitarbeiter seine Personalien festhalten konnten.

Ich zuckte mit den Schultern: Egal, er hat mit Karte bezahlt. Wir bekommen die Daten nicht, aber die Staatsanwaltschaft wird da sicherlich in Erfahrung bringen können, um wen es sich handelt. Außerdem feixte ich über den Mann, denn für ihn bedeutete die Flucht nämlich nicht nur, auf das während dieser verlorene Diebesgut zu verzichten. Er hatte die zuvor bezahlte Ware auch gleich bei uns zurückgelassen.

Zwei Wochen später kam dieses Schreiben hier an. Ich habe die Sache bis heute nicht zur Polizei gegeben und werde es auch nicht mehr tun. Der Schreck dürfte Erfahrung genug gewesen sein:


Absolut… langatmig!

Vor ein paar Tagen hat ein Typ sich eine Flasche Absolut Vodka in die Jacke gesteckt und wollte, ohne diese Flasche zu bezahlen, den Laden verlassen. Der Alarm der Warensicherungsanlage löste aus, dann versuchte der Mann schnell, die Flasche unauffällig wieder im Laden verschwinden zu lassen, dabei wurde er jedoch von einem Kollegen beobachtet und gestellt. Es folgte das übliche Prozedere mit Polizei, Anzeige und Hausverbot. So weit war der Vorgang nicht besonders erwähnenswert.

Die Polizei wollte ein Video von dem Vorgang haben, doch das Vorhaben gab ich irgendwann auf. Bevor sich der Mann überhaupt an dem Alkohol vergriff, wanderte er minutenlang ziellos oder zumindest scheinbar ziellos durch den Laden (unnützes Videomaterial). Guckte hier, guckte da. Dann nahm er die Flasche Absolut aus dem Regal und wanderte auch damit wieder ein paar Minuten hin und her (unnützes Videomaterial). Schließlich versuchte er relativ umständlich und nicht weniger langatmig, um das Warensicherungsetikett etwas Aluminiumfolie herumzutüdeln. Schließlich steckte er sie in mehreren Anläufen in seine Jacke. Er hatte aus strafrechtlicher Sicht dabei relativ viel Glück, denn im Grunde auf keiner unserer Kameras war konkret zu sehen, wie er DIE Flasche in SEINE Jacke steckte (unbrauchbares Videomaterial).

Nachdem die Warensicherungsanlage trotz der vermeintlich abschirmenden Aluminiumfolie Alarm auslöste, ging der Mann wieder schnell in den Laden, um sich unauffällig von der verräterischen Flasche zu trennen. Das klappe jedoch nicht so einfach, denn ein Kollege ging die ganze Zeit hinter ihm her. So wanderten sie durch den ganzen Laden (unnützes Videomaterial) und blieben schließlich in einem Bereich stehen, der überhaupt nicht unmittelbar von einer Kamera eingesehen werden kann. Da standen sie dann über zehn Minuten herum und haben hin und her diskutiert, bis schließlich die Polizei kam. Da packte der Mann dann auch schließlich die Flasche aus.

Klar hätte ich der Polizei über zwanzig Minuten Videomaterial aus allen Kameras liefern können, aber die Arbeit (und den DVD-Rohling) habe ich mir nun einfach mal erspart. Es ist natürlich auch immer in meinem Interesse, wenn Ladendiebe die paar Konsequenzen für ihre Taten tragen müssen, aber die Aufzeichnung hätte in diesem Fall nun überhaupt nicht weitergeholfen. Dass das Material so gar nicht zu gebrauchen ist, haben wir aber auch ausgesprochen selten …